26 Jul
von
Carina
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Gendern im Recruiting – ja, nein, vielleicht und wie?

Am Gendern scheiden sich die Geister, auch im Recruiting. Mit unseren Tipps sprecht ihr (mit und ohne Gendersternchen) viele Menschen an!

An der gendersensiblen Sprache scheiden sich die Geister und das Thema entfacht oftmals hitzige Diskussionen. Die einen halten Gendern für sinnlos oder irritierend, andere wiederum sprechen sich für das „Mit-Nennen“ und nicht nur das „Mit-Meinen“ von Menschen des nicht-männlichen Geschlechts aus. Persönliche Meinung hin oder her – gerade im Recruiting ist Gendern ein hoch relevantes Thema, dem alle Personalverantwortlichen Beachtung schenken sollten. 

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schreibt vor, dass Stellenanzeigen geschlechtsneutral ausgeschrieben werden müssen. Daher sieht man neben den meisten Anzeigen den Zusatz (m/w/d) – stellvertretend für männlich, weiblich, divers. Juristisch betrachtet reicht das so. Aber reicht das wirklich so, um auch tatsächlich Talente jedweden Geschlechts anzusprechen, abzuholen und für den Job bzw. das Unternehmen zu begeistern? Da gibt es belegbar berechtigte Zweifel.

m/w/d – mitgemeint und auch wirklich mitangesprochen?

Fakt ist: Auf Stellen, die NICHT im generischen Maskulinum geschrieben sind, bewerben sich tatsächlich mehr Frauen. Andersherum zeigte sich zudem, dass männlich formulierte Stellenanzeigen dafür sorgen, dass Frauen mit gleicher Qualifizierung seltener den Job bekamen. Werden sowohl das männliche als auch das weibliche Geschlecht genannt, ändert sich das. (Quelle via Quarks: Horvath & Sczesny (2016), Horvath et al. (2015))

Das Schöne ist, dass Recruiting-Verantwortliche damit einen wahrhaftigen Hebel in Bewegung setzen können. Ihr könnt mit wirklich einfachen kleinen Veränderungen dafür sorgen, dass sich von Beginn an eine Vielzahl von Talenten im Unternehmen willkommen fühlen. Selbst dann, wenn du persönlich kein Fan des Gendersternchen sein solltest – es gibt noch weitere Stellschrauben, an denen gedreht werden kann…

 

1. Gendern ja - aber wie?

 

In vielen Branchen wird ohnehin oft mit englischen Jobtiteln gearbeitet. Hier ist es natürlich besonders leicht, mit einem geschlechtsneutralen Titel zu arbeiten: „Recruiting Specialist (m/w/d)“ klingt natürlich wirklich neutraler als “Feuerwehrmann (m/w/d)”. Aber Vorsicht vor bereits eingedeutschten Titeln, die zum Beispiel auf “Manager” enden. Diese Begriffe gibt es auch auf Deutsch und verfügen daher über eine weibliche Form. Hier empfiehlt sich dann eine Doppelnennung: Manager und Managerin oder z. B. das Gendern durch Doppelpunkt – Manager:in. (Wer sich zum Thema Genderzeichen noch einmal schlau lesen möchte, dem oder der können wir zum Beispiel diese Seite hier empfehlen).

 

Und der Feuerwehrmann? Hier wäre eine neutrale Formulierung beispielsweise “Einsatzkraft in der Feuerwehr (m/w/d)” oder man nennt zumindest den Feuerwehrmann UND die Feuerwehrfrau in der Ausschreibung. Ihr seht schon – es gibt mehr als eine Möglichkeit, eine Vielzahl an Menschen zu nennen und nicht nur zu meinen.

 

  

2. Wie war das doch gleich? Bilder sagen mehr als 1.000 Worte

 

Die Text-Ebene ist die eine Sache. Aber eine wirklich einfache Stellschraube ist die Wahl der passenden Bilder für eure Stellenanzeigen. Sind auf den Job-Anzeigen für “klassische Männerberufe” (zum Beispiel im Handwerk) öfter Männer zu sehen als Frauen und andersherum? Der Entwickler? Der Schreiner? Oder die Assistentin und die Erzieherin? Dann ist es höchste Zeit, eure Bildsprache in das aktuelle Jahrtausend zu holen. Wer sich auf Bildern repräsentiert sieht, fühlt sich höchstwahrscheinlich auch mehr willkommen und ermutigt, eine Bewerbung abzuschicken.

Ein klassisches "vorher"? Bildquelle

Ein mögliches "nachher"? Bildquelle

3. Eigenschaften und Anforderungen. Was ist wichtig, was betonen? 

 

Frauen fühlen sich laut einer Studie der TU München von vielen Stellenanzeigen nicht angesprochen, da oft “typisch männliche” Eigenschaften betont werden. Wer beispielsweise Worte wie “Durchsetzungsvermögen” streicht und durch “Wortgewandtheit” oder “Selbstbewusstsein” ersetzt, erreicht, dass sich mehr Frauen angesprochen fühlen könnten. Was nicht heißt, dass Frauen nicht das gleiche Maß an Durchsetzungsvermögen mitbringen könnten – lediglich fühlen sie sich weniger oft von der Art der Formulierung abgeholt.

 

Außerdem fühlen sich Frauen laut der gleichen Studie eher davon angesprochen, wenn Arbeitsweisen beschrieben werden anstatt Eigenschaften – und wenn Entwicklungspotenziale direkt in der Stellenanzeige angesprochen werden. Und auch das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist noch immer von großer Relevanz. Wobei wir sicher sind, dass das natürlich nicht nur für Mütter, sondern für Eltern generell ein immer relevanter werdender Faktor im Arbeitsleben wird und daher Erwähnung in einer Stellenanzeige finden sollte (sofern es denn im Unternehmen gelebt wird). 

 

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Wie ihr seht, gibt es verschiedenen Möglichkeiten, um in Stellenanzeigen alle Menschen anzusprechen: 

 

  • Die Formulierung von Jobtiteln kann neutral erfolgen, mit Gendersternchen/-doppelpunkt und Co. oder mehrere Geschlechtsformen aufführen
  • Die Bildsprache eurer Jobanzeigen sollte möglichst vielschichtig sein, sodass sich eine Vielzahl an Talenten visuell repräsentiert und zur Bewerbung ermutigt fühlt
  • Bei der Beschreibung der Stellenanzeigen nicht nur stereotype männliche Formulierungen verwenden und eher Arbeitsweisen anstatt Eigenschaften aufführen

 

Natürlich ist gendergerechte Sprache kein Allheilmittel auf dem Weg zur Gleichberechtigung (bis zu der es weltweit ohne weitere Maßnahmen übrigens noch 132 Jahre dauern würde). Aber bereits mit kleinen Änderungen kann man viel bewirken – damit sich eine Vielzahl von Talenten in Unternehmen willkommen fühlen, sich bewerben und voller Engagement gemeinsam den Unternehmenserfolg vorantreiben.

 

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Bildquelle Titelbild

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